Qualitätsanalyse soll Plattform sein, um den "Niederrheiner" zu kurieren

Qualitätsanalyse soll Plattform sein, um den "Niederrheiner" zu kurieren
03.03.2021

„Der Niederrheiner“ ist ein Fall für die Intensivstation. Das wissen alle Fahrgäste, die durch permanente Verspätungen und ausfallende Fahrten längst das Vertrauen in die Regionalbahn RB 31 zwischen Xanten und Duisburg verloren haben. Das wissen sogar die Betreiber der Züge bei der NordWestBahn und die Verantwortlichen des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR), der den Verkehr auf der Strecke bestellt aus ihren Betriebsstatistiken. Danach ist die RB 31 beispielsweise in Sachen Pünktlichkeit eines der Schlusslichter im ganzen VRR. Nun macht die Politik „Nägel mit Köpfen“ und fordert vom VRR eine fundierte Qualitätsanalyse, um daraus die Wende zum Besseren ableiten zu können.
Dieser im „Ausschuss für Mobilität und Verkehr“ des Kreises Wesel einstimmig gefasste  Beschluss bedeutet eine weitere Plattform für das Engagement, mit dem sich die CDU-Kreistagsfraktion schon seit geraumer Zeit für die Entschärfung der überaus angespannten Situation einsetzt. Durchaus erfolgreich, beispielsweise durch Hilfestellung bei der Rekrutierung zusätzlicher Lokführer. Für mehr Betriebsstabilität kann letztlich aber nur das Unternehmen Deutsche Bahn sorgen, dem das Schienennetz gehört. Und die Bahn forderte die Politik nun – erneut – zum Handeln auf. Möglichst sofort. Wenigstens morgen. Mindestens aber übermorgen… Damit nicht noch mehr Kunden der RB 31 den Rücken kehren.
Dabei können die Fahrgäste des „Niederrheiners“ mit konkreten Verbesserungen rechnen. Das zeigten zwei Vertreter des VRR bei der Ausschusssitzung im Kreishaus auf. Zurzeit läuft turnusgemäß das Ausschreibungsverfahren für das „Niederrhein-Münsterland-Netz“ des Verkehrsverbundes, zu dem auch die RB 31 und die neue Bahnanbindung von Kamp-Lintfort gehören. Der alte Vertrag gilt bis Ende 2025. Für die Zeit danach möchte der VRR einen Betreiber auf der Strecke sehen, der größere Fahrzeuge mit 25 Prozent mehr Sitzplätzen einsetzt. Und die nicht länger Diesel als Treibstoff brauchen. Das ist leiser und vermeidet Emissionen. Vermutlich werden Batteriezüge eingesetzt. Denn da ohnehin ein großer Teil der Strecke – zwischen Duisburg und Rheinberg-Millingen – elektrifiziert sei, könnten die Züge unter dem Fahrdraht wirtschaftlich die Energie für das Reststück bis Xanten „tanken“.   
Auch an den Bahnhöfen wird aufgerüstet: Passend für die neuen Fahrzeuge, sollen in Rheinberg (Gleis 1), Millingen (Gleis 2), Alpen (Gleis 1) und Xanten (Gleis 1) die Bahnsteige auf 175 Meter verlängert und für einen behindertengerechten Einstieg auf eine Höhe von 76 Zentimetern angehoben werden. In Millingen, der einzigen Kreuzungsmöglichkeit zwischen Rheinkamp und Xanten, wird außerdem Bahnsteig 3 neu gebaut.
Dass die Deutsche Bahn Mitte der 20er Jahre ein neues Stellwerk in Rheinkamp auf der Agenda stehen hat, begrüßten die Ausschussmitglieder natürlich. Frank Berger, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion, warnte die Bahn allerdings vor Knausrigkeit am falschen Platz: „Das neue Stellwerk muss mehr können als nur den heutigen Betrieb mit modernerer Technik sicherzustellen. Es müssen auf jeden Fall auch die Erweiterungskapazitäten eingebaut werden, damit später auch ein Ausbau des Angebotes beispielsweise auf einen 30 Minuten-Takt bis nach Xanten möglich ist. Und ebenso die Steuerung der Sicherungstechnik für zusätzliche Überholmöglichkeiten, mit denen Verspätungen besser abgebaut werden könnten.