CDU will Klarheit, ob Züge auch zwischen Wesel und Haltern fahren können

CDU will Klarheit, ob Züge auch zwischen Wesel und Haltern fahren können
10.10.2020

Von Wesel nach Haltern – über Oberhausen oder Duisburg? Was für ein Unsinn – würde jeder Autofahrer zu dieser Streckenplanung sagen. Wer allerdings umweltbewusst auf den Zug setzt, muss eine solche Zumutung in Kauf nehmen. Denn eine direkte Trasse vom Niederrhein ins angrenzende Münsterland gibt es nicht. Zeitraubende Umwege nach Süden sind auch für Bahnreisen in den Osten oder Norden des Landes nötig.
Ob das nicht besser geht, soll aus Sicht der CDU-Kreistagsfraktion eingehend untersucht werden. Die Christdemokraten stehen damit auch an der Seite ihrer Parteifreunde im Weseler Stadtrat. Auf CDU-Antrag beauftragte nun der Kreistag die Verwaltung zu Gesprächen mit den anderen beteiligten Kommunen und dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) über eine Machbarkeitsstudie, ob die Wiederbelebung der Eisenbahnstrecke von Wesel über Dorsten nach Haltern möglich ist. Der für den Kreis Wesel anfallende Kostenanteil an einer solchen Studie soll bereitgestellt werden. Bei der (Neu-)Trassierung ist Wert auf eine möglichst konfliktfreie Lösung im Sinne der betroffenen Kommunen und Anlieger zu legen.
Die Begründung der christdemokratischen Initiative ist überzeugend: Eine West-Ost-Verbindung würde die Reisewege und Reisezeiten deutlich verkürzen. Beispielsweise würde sich nach Einschätzung der CDU durch Reaktivierung der Bahnstrecke die Reisezeit von Wesel bis Münster von derzeit durchschnittlich einer Stunde und 50 Minuten um etwa eine Stunde auf knapp 50 Minuten reduzieren. Haltern wäre von Wesel aus in etwa 25 Minuten erreichbar. Außerdem beständen in Dorsten Umsteigemöglichkeiten in Richtung Essen, Coesfeld und Borken.
Wie sinnvoll und notwendig eine solche Verbindung wäre, wird auch durch die Verkehrsbelastung der Bundesstraße 58 deutlich – die Hauptschlagader des Verkehrs zwischen dem Niederrhein und dem Münsterland. Frank Berger, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion, formuliert es griffig: „Durch die Reaktivierung dieser Schienenverbindung würden der Niederrhein und das Münsterland näher zusammenrücken, was für beide Regionen wirtschaftliche Vorteile brächte“. Zumal sich die derzeitigen West-Ost-Verbindungen auch im Ruhrgebiet bereits an ihren Kapazitätsgrenzen befinden und ein weiterer Ausbau aufgrund der räumlichen Verhältnisse schwierig ist. Auch vor diesem Hintergrund macht eine zusätzliche West-Ost-Strecke nördlich des (Kern-)Ruhrgebietes durchaus Sinn, unterstreicht Frank Berger.
Der Bahnhof Wesel würde durch die wiederbelebte Strecke wieder zu einem echten Knotenpunkt, sodass dann auch aus Sicht der Bahn ein ICE-Halt in der Kreisstadt Sinn machen könnte. Im Übrigen sollte aus sich der CDU aus Klimaschutzgründen sowie zur besseren Einfügung ins bestehende Bahnnetz von vornherein elektrifiziert werden.